Arbeitsweise der Bayernnachhilfe – ein Fallbeispiel

Ein Fallbeispiel soll hier für interessierte Eltern und Schüler veranschaulichen, wie wir mit Schülern arbeiten. Exemplarisch möchten wir damit verdeutlichen, in welchem Ausmaß diese Arbeit eine individuelle ist, sprechen doch keine zwei Schüler auf ein und dieselbe Vorgehensweise an. Unsere Erfahrung im Nachhilfebereich zeigt, dass jeder unserer Schüler einen einzigartigen Entwicklungshintergrund mitbringt und auf ganz persönliche schulische Erlebnisse zurückblickt.

Wir hatten es im nun anonymisiert geschilderten Fall mit einem Gymnasiasten der elften Jahrgangsstufe zu tun, der zu Beginn des Schuljahres von seinem Deutsch-Gymnasiallehrer die Rückmeldung erhalten hatte, er müsse sich im muttersprachlichen Bereich spürbar verbessern. Zumindest dann, wenn er das Abitur wirklich bestehen wolle.

In der ersten Unterrichtseinheit des Nachhilfeunterrichts erwies sich der Münchener Gymnasiast, wie von seinen Eltern schon angekündigt, als motiviert und kooperativ. Deutsch war keineswegs sein Lieblingsfach, und als zusätzliches Hindernis für bessere Noten erwies sich das Vorliegen einer Legasthenie. Die Legasthenie bremste seine Lesegeschwindigkeit und verlangte ihm während des Lesevorgangs eine zusätzliche Kraftanstrengung ab. Im Endeffekt führte das dazu, dass der junge Mann kaum las und die schulisch geforderte Lektüre durch das Überfliegen von Zusammenfassungen und Sekundärliteratur bewältigte.

Die Bedeutung der schulischen Lehrer-Schüler-Beziehung für den Notenerfolg

Zu bemerken war auch, dass der Nachhilfeschüler eine gespannte Beziehung zu seinem schulischen Deutschlehrer hatte. Er protestierte gegen anfangs noch nicht ganz nachvollziehbare Missstände ganz im Stillen, ohne sich seinem Lehrer gegenüber mit seinen Wünschen und  Vorstellungen zu Wort zu melden. Trotzdem er seine Einschätzungen begründet vorbrachte und auf ein gutes Faktenwissen zurückgreifen konnte, beteiligte er sich kaum mündlich am Deutschunterricht.

Die Unterrichtsstrategie war zweigleisig angelegt: Zum einen ging es darum, grundlegende Kompetenzen wie das textentnehmende Lesen, zu verbessern. Zu dem Zweck ließen wir ihn viel laut vorlesen, hörten dabei geduldig zu, um die Texte anschließend gründlich durchzusprechen. Neben der Verbesserung seiner artikulativen Sprachfertigkeit ging es uns auch darum, seinen rezeptiven und produktiven Wortschatz zu vergrößern. Es wurde offensichtlich, dass es ihm bislang kaum gelungen war, Zusammenhänge zwischen dem Gelesenen und seiner Lebenserfahrung herzustellen. Prosa, Sachtexte und besonders die Lyrik erschlossen sich ihm, trotz einer mehr als hinreichenden Intelligenz, intellektuell kaum.

Erste Erfolge

Aber das änderte sich bald. Eine spürbar vergrößerte Lesegeschwindigkeit und ein verbessertes Textverständnis erhöhten im Laufe der Zeit auch seine Bereitschaft, sich mit längeren oder als schwierig empfundenen Texten zu befassen. Je mehr ihm ein persönlicher Zugang zum Schriftsprachlichen verschafft wurde und er sich als Gesprächspartner ernst genommen fühlte, desto mehr Neugierde entwickelte unser Schüler auf Texte, die er sich zu erarbeiten hatte.

Darüber hinaus erschien es uns wichtig, die belastete Schüler-Lehrer-Beziehung zu thematisieren. Sein verletzt wirkendes Schweigen blockierte seine Teilhabe im Unterricht und mündete, wie nicht anders zu erwarten, in schlechte mündliche Noten. Es ergab sich immer wieder Gelegenheit, diesen Zusammenhang zu beleuchten und für ihn verständlich zu machen. Nun begann er seinem Nachhilfelehrer zu schildern, was genau ihn am schulischen Unterrichtsgeschehen störte. Während er sprach, begann er seine Gedanken zu sortieren, deckte eigene Widersprüche auf, entwickelte ansatzweise Verständnis für die Position seines Lehrers – und traf für sich die Entscheidung, Missstände von nun an zu artikulieren. Als er damit begann, führte das zu überraschenden Ergebnissen: Sein Lehrer wurde auf ihn aufmerksam, griff seine Kritik auf und nahm sie hin und wieder sogar an, so dass sich endlich eine greifbare Lehrer-Schüler-Beziehung entwickelte. Die war nicht frei von Spannungen, was jedoch nicht schlimm war – Hauptsache es gab sie.

Sein Nachhilfelehrer berichtete nun von einem sehr lebendigen Unterrichtsgeschehen, das mitunter die Züge einer Parlamentsdebatte aufwies. Der junge Gymnasiast ließ sich nun nicht mehr passiv-rezeptiv unterrichten. Stattdessen begann er die Nachhilfestunde aktiv zu gestalten, seinen Nachhilfelehrer (ebenso wie andere Erwachsene seiner näheren Umgebung) immer stärker zu fordern und, ja auch das, in Frage zu stellen.

Ende gut, alles gut

Trotzdem Deutsch kurz vor der Abiturprüfung immer noch als kritisches Fach bezeichnet werden musste, ging dem jungen Mann die für das Fach Deutsch erforderliche zeitlich umfangreiche Vorbereitungszeit leichter von der Hand und hatte er sich eine gewisse Freude am Umgang mit der so wichtigen Kulturtechnik des Lesens und Schreibens erkämpft. Es gab nun, bei aller Ungenauigkeit von solchen Prognosen, keine akute, durch das Fach Deutsch bedingte Gefährdung mehr. In der Abiturprüfung erzielte er dann eine solide und für ihn sehr respektable mittlere Note. Und ein angenehmer Nebeneffekt war für ihn der folgende: Da er sich durch die vielen, den sprachlichen Ausdruck, die inhaltliche Genauigkeit und rhetorische Aspekte ins Zentrum setzenden Gespräche eine gesteigerte Freude an der mündlichen Debatte entwickelt hatte, verliefen die (geplanten und ungeplanten) mündlichen Prüfungen besser als gedacht.

 

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