Im ZEIT-Magazin (Nr. 29 vom 14.07.2011) wird die Aussage des Hirnforschers Valentin Braitenberg wiedergegeben, der Mensch verfüge über den stark entwickelten Drang, Neues entdecken und Zusammenhänge herstellen zu wollen. Braitenberg nennt das den „Kapiertrieb“, und der sei getriggert von der „Hirnlust“. Weil nun dieser Trieb in derselben Hirnregion wie der Sexualtrieb verwaltet wird, müsse es ganz und gar nicht wundern, dass der Mensch beim Begreifen so viel Vergnügen empfinde.

Sie können bei aller Liebe zu Ihrem Kind, bei diesem jedoch nur wenige Anzeichen für diesen „Kapiertrieb“ entdecken? Dann lesen Sie doch bitte unten weiter …

Das ZEIT-Magazin stellt in seiner bereits erwähnten Ausgabe weiter hinten den Werdegang von Frau Rahel Jaeggi vor, Professorin für Praktische Philosophie, Rechts- und Sozialphilosophie an der Humboldt-Universität zu Berlin. Frau Jaeggi brach mit 14 die Schule ab, zog zuhause aus und verbrachte die nächsten Lebensjahre in der Hausbesetzerszene. Solche Schritte ihrer Kinder sind dazu angetan, Eltern schier verzweifeln zu lassen und harte Prognosen über deren zukünftigen Lebensweg zu fällen. Frau Jaeggi führte jedoch vor, was der „Kapiertrieb“ schlussendlich zu bewirken vermag. Er brachte sie dazu, mit 23 Jahren ihr Abitur nachzuholen, dann zu studieren, zu promovieren und sich zu habilitieren. Mit der Berufung an die Humboldt-Universität erhielt sie in einem Fach, das der Brotlosigkeit mehr als verdächtig ist, die allerhöchsten akademischen Weihen.

Ebenfalls in der Zeit, diesmal am 11. Oktober 2012 in der Ausgabe Nr. 42, lesen wir das Folgende: „Schon nach einem Halbjahr Biologieunterricht schien die Sache klar. Der Schüler John B. Gurdon, er war ein hoffnungsloser Fall. ‚Ich glaube, er hat die Idee, Wissenschaftler zu werden‘, schrieb sein Lehrer in einem Bericht. ‚Das ist geradezu lächerlich. Es wäre reine Zeitverschwendung – für ihn und für diejenigen, die ihn zu unterrichten hätten.'“ Der Brite John B. Gurdon klonte als erster Biowissenschaftler ein Tier, einen Frosch, woraufhin er in einem Fachblatt der Zellbiologie im Jahr 2008 als „Pate des Klonens“ bezeichnet wurde. Im Jahr 2012 wurde ihm der Nobelpreis für Medizin verliehen. Auch in diesem Fall wären Eltern schnell verzweifelt, hätten sie dem vorschnellen und gedankenlosen Urteil eines Lehrers und seiner Note gefolgt.

Es gibt sie oft, die spätberufenen Leistungswilligen. Und weil sie uns bei all den Gesprächen, die wir täglich führen, so häufig begegnen, wollen wir diesen Artikel zukünftig mit weiteren Beispielen füllen; mit Beispielen, die Mut machen, den eigenen Kindern zu vertrauen. Auch dann, wenn sie am Abgrund zu stehen scheinen. Im übrigen kann in dem Zusammenhang nicht oft genug herausgestellt werden, dass sogar das bayerische Bildungssystem vertikal sehr durchlässig ist. So wenig diese Aussage auf das bayerische Schulsystem zutrifft, so richtig ist sie doch mit Blick auf das, was nach dem ersten Schulabschluss folgt. To be continued.

 

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