Ernährung und schulisches Lernen

Die Fähigkeit des Homo Sapiens zur geistig-intellektuellen Betätigung bildet wohl einen der Höhepunkte der Schöpfung ab. Der menschliche Intellekt sucht Seinesgleichen unter den Lebewesen auf der Erde. Nur wir besitzen ein derart differenziertes Bewusstsein und einen so erstaunlichen Intellekt. Aber diese Leistungsfähigkeit lässt sich nur dann abrufen, wenn günstige Rahmenbedingungen vorliegen und unser Organismus sich in einem gleichgewichtigen Zustand befindet. Eine große und vielfach unterschätzte Rolle spielt dabei die Ernährung.

 Ernährung; zucker; ADHS; ADS; Hyperaktivität; Konzentration; lernen

 

Der Mensch ist in gewisser Weise das, was er isst, was er an Lebensmitteln zu sich nimmt. Und eine nicht unerhebliche Rolle spielt auch die Art und Weise, in der er das tut. Hinlänglich bekannt sind die Zusammenhänge zwischen fast food-Ernährung und Übergewicht. Auch wissen wir, dass salz- und fettreiche Knabbereien beim abendlichen Fernsehen die Gewichtskurve ansteigen lassen. Für das schulische Lernen bedeutsamer sind jedoch Untersuchungen, die einen Zusammenhänge zwischen an Zusatzstoffen reichen Lebensmitteln und der Konzentrationsfähigkeit von Heranwachsenden postulieren, insbesondere solchen Kinder mit dem sogenannten ADHS. So können bestimmte Diäten nachweislich den Symptomdruck spürbar lindern.

Wer täglich mit Kindern arbeiten, der bemerkt bald, dass Kinder spürbar unruhiger sind, wenn sie hochglykämische Kohlenhydrate (beispielsweise Süßigkeiten, gesüßte Getränke oder zuckerhaltige Fruchtsaftgetränke) zu sich genommen haben. Der Zusammenhang ist besonders offensichtlich in Lernphasen. Das Interesse der Kinder an geistiger Betätigung, ihre Leistungsbereitschaft sinken, und sie verspüren verstärkt den Drang nach Bewegung. Das kollidiert dann oftmals mit dem Erfordernis zur weitgehend bewegungslosen Konzentration.

Besonders deutlich wird der Zusammenhang dem Hauslehrer, der sich genau erkundigt, was sein Schüler im Laufe des zurückliegenden Tages bis zum Unterricht an Lebensmitteln und Getränken zu sich genommen habt. Ist das Kind angenehm gesättigt, weil es im zurückliegenden Zeitraum eine warme, nicht zu schwere Mahlzeit zu sich genommen hat, und trinkt es während des Unterrichts Leitungswasser, dann herrschen optimale Voraussetzung für die konzentrierte intellektuelle Betätigung.

Die Auswirkungen von Ernährungsgewohnheiten auf die intellektuelle Leistungsfähigkeit reicht weit über den gegenwärtigen Moment hinaus. Dass das so ist, zeigt eine Studie der Berliner Charité. Der zufolge wirkt sich ein dauerhaft erhöhter Blutzuckerspiegel bei älteren Menschen messbar negativ auf deren Gedächtnisleistung aus. Zwar lässt sich von diesem Befund keine Aussage auf andere Personengruppen ableiten. Die weitere Forschung zum Thema dürfte aber mit Interesse verfolgt werden; ergibt sich daraus, dass dies ebenso für jüngere Menschen gilt, gibt es zusätzlich zu den bekannten Gründen noch einen weiteren, der für eine ausgewogene und zuckerarme Ernährung spricht. – Gerade mit Blick auf die Schul- und Gedächtnisleistung von jungen Menschen.

Insofern sprechen wir Kinder mit unklaren Konzentrationsschwierigkeiten auch auf deren Ernährungsgewohnheiten an. Wir hören ihnen zu und lassen sie im Rahmen des Nachhilfeunterrichts ggf. selber Erfahrungen mit diesem so wichtigen Thema machen. Ein Schüler, der am eigenen Leib erfahren konnte, dass sich seine Aufmerksamkeitspanne mit Wasser anstelle von Limonade spürbar verlängert, muss über diese Zusammenhänge nicht belehrt werden. Lernen geschieht am Eindrücklichsten ja doch anhand von eigenen Erlebnissen.

 

Zur Online-Anfrage

Von |2017-08-30T13:27:01+00:0026. Mai 2011|0 Kommentare

Über den Autor:

Thorsten Kerbs
Thorsten Kerbs bringt als studierter Ingenieur der Luft- und Raumfahrt einen guten Blick für Struktur und Ordnung mit. Durch seine zweite akademische Qualifikation als Klinischer Psychologe sind ihm neben der Entwicklungspsychologie auch Lern- und Lehrthemen sowie Kommunikations- und Beziehungsthemen wohl vertraut. Auf dieser fachlichen Grundlage arbeitet er, der selber Vater zweier Kinder ist, seit über 10 Jahren mit Schülern und begleitet sie durch Lernthemen von der Grundschule bis zum Studium.

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Ich akzeptiere