Nach der Corona-Pandemie hatten die meisten Schüler keine Lust mehr auf Onlineunterricht. Dabei kann der durchaus eine Bereicherung oder eine sinnvolle Ergänzung zum Vorort-Unterricht darstellen. Vorausgesetzt, er wird gut und überlegt durchgeführt . Das gilt sowohl für den schulischen Unterricht vor Klassengemeinschaften, wie wir am 17. März 2021 in einem Gastbeitrag für die ZEIT geschrieben haben. Aber auch im Einzelunterricht kann man die Nachteile dieses Settings durch eine kluge Interaktionssteuerung zumindest teilweise ausgleichen. So dass schlussendlich der Onlineunterricht zwar keine optimale, aber ein durchaus sinnvolle Lösung darstellt. Worauf bei der Durchführung im Einzelunterricht besonders zu achten ist, das wollen wir im Folgenden erklären.

Onlineunterricht: vieler Sinne beraubt

Im Onlineunterricht können von allen menschlichen Sinnen nur der Sehsinn und das Gehör genutzt werden. Das ist wenig und für ein umfassendes sinnliches Kontakterlebnis natürlich zu wenig. Für die Unterrichtssituation gilt jedoch als Besonderheit, dass bestimmte Aspekte der Interaktion hervorgehoben werden und andere unter den Tisch fallen können. So ergibt es sich, dass das Sehen und Hören hier stärker im Fokus stehen als in anderen Beziehungssituationen. Beispielsweise spielt vieles von dem, was im Kontakt mit Freunden und der Familie wahrgenommen werden wird, im Nachhilfeunterricht keine oder eine untergeordnete Rolle.

Verständigung als Voraussetzung des Verstehens

Ein ganz wesentliches Element in der Eins-zu-Eins-Nachhilfe ist die sprachliche Verständigung. Wobei der Begriff Verständigung hier über das Verstehen des fachlichen Problems hinausreicht: Gemeint ist die Wechselrede mit all ihren Aspekten und Unteraspekten. Dort braucht es eine möglichst hohe Quote des gegenseitigen Verstehens, der Resonanz. Praktisch bedeutet das, bei der lernenden Person muss sich das Gefühl einstellen, sie könne auf das Gespräch steuernd Einfluss nehmen und verstehen, was ihr Gegenüber meint.

Dazu ein Beispiel

Betrachten wir dazu eine Situation, in der es um die Vermittlung der schriftlichen Subtraktion in der Grundschule geht. Stellen wir uns vor, die Schülerin habe nach der Schilderung ihres Nachhilfelehrers das Schema verstanden, das sie für die Rechnung durchlaufen muss. Und dennoch fühlt sie sich im Unterricht diffus unwohl, weil sie auf das Gespräch irgendwie keinen rechten Einfluss nehmen kann. Ein außenstehender Beobachter würde bemerken, wie die Lehrerin Äußerungen von der Lernenden übergeht und missversteht. Für die Schülerin fühlt sich das an, als spreche sie, ohne gehört zu werden. Woraus sich eine Situation ergäbe, die sich schlussendlich auch für Erwachsene unangenehm anfühlen würde.

Grundschüler haben altersbedingt noch nicht die Reife und im Rollenverhalten die Festigkeit, um derartige Kommunikationsprobleme zu analysieren und zu lösen. Sie sind solchen Konstellationen weitgehend hilflos ausgeliefert. In derlei Situationen erleben Kinder zumeist ein diffuses Unbehagen, sie wollen dann nicht mehr weiterarbeiten. Manchmal äußern sie auch, sie würden das Fach bzw. die Aufgaben als zu schwierig empfinden oder die Lehrkraft nicht mögen.

Kommunikation als Kompetenz

Je besser eine Lehrkraft in Hinblick auf Interaktionsthemen ausgebildet wurde, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit für Pannen dieser Art. Schulische Lehrer lernen im Studium ihre Vertiefungsfächer und die zugehörige Fachdidaktik auf hohem Niveau. Im Gegensatz dazu erfahren sie jedoch praktisch keine Anleitung in Hinblick auf Beziehungs- und Kommunikationsprozesse. Und das, trotzdem die Forschung in der großen Meta-Studie von John Hattie den Nachwies erbrachte, wie wichtig genau diese Faktoren für den Lernerfolg der Schüler sind.

Aus diesem Grund messen wir bei der Bayernnachhilfe diesen Aspekten eine große Bedeutung bei und befassen uns in unseren wöchentlichen Teamrunden viel mit der praktischen Kommunikation. Dabei hilft, dass wir in unseren kollegialen Teamrunden genau die Form der Interaktionsgestaltung praktizieren und sie ggf. reflektieren, die so auch im Unterricht zur Anwendung kommt.

Entlastung statt Belastung

Auch wenn auf der Hand liegt, dass der Onlineunterricht ein Provisorium abbildet und nicht die perfekte Lösung darstellt: Sofern die oben beschriebenen Faktoren im digital geführten Unterricht berücksichtigt werden, kann Nachhilfe im Format der Videokonferenz eine ordentliche Variante des Unterrichtens abbilden. Voraussetzung dafür sind gute technische Rahmenbedingungen. Die Bandbreite sollte ausreichend sein, die Kamera sollte ein scharfes Bild und das Mikrophon einen guten Ton liefern. Dann können sich Schüler und Lehrkraft gemeinsam mit Schwung und Freude den Lerninhalten zuwenden. Auch von Bildschirm zu Bildschirm.

 

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