Hausaufgabenbegleitung statt Hausaufgabenhilfe

Eltern mit Angst vor Mathe sollten ihre Kinder nicht bei den Hausaufgaben unterstützen. So lautet das Ergebnis einer auf dem Online-Portal der Süddeutschen Zeitung vorgestellten Untersuchung. Dabei spielt keine Rolle, wie gut die Schulnoten der Eltern waren, es zählt allein deren Haltung zum Fach. Ist die von Abneigung geprägt, geht es den Kindern ohne elterliche Unterstützung im Fach Mathematik besser als mit.

Der Befund stützt unsere These, dass Hausaufgabenhilfe vorsichtig einzusetzen ist. Denn als entscheidend für das langfristige Ergebnis erweist sich die Art und Weise, in der Kinder begleitet werden. – Lesen Sie unten unsere sieben Tipps für eine erfolgreiche Hausaufgabenbegleitung und was es mit der begrifflichen Unterscheidung zwischen Begleitung und Hilfe auf sich hat.

Für den Entwicklungsweg des Kindes ist es sinnvoll, wenn Eltern ihm bei den Hausaufgaben NICHT HELFEN, sondern bei deren weitgehend eigenständigen Erledigung auf eine bestimmte Art und Weise zum BEGLEITER werden. Wir fassen das Ideal der elterlichen Fürsorge rund um die Hausaufgabenerledigung in den folgenden sieben Leitsätzen zusammen:

  1. Weil Kinder im Grundschulalter sich überwiegend in der Nähe ihrer Eltern aufhalten wollen, sollten Eltern dafür zur Verfügung stehen. Einfach nur da sein, sich aber möglichst in der Hauptsache mit etwas anderem beschäftigen.
  2. Sie dürfen auch als Ansprechpartner zur Verfügung stehen und den Arbeitsprozess des Kindes dialogisch begleiten, sollten jedoch immer wieder zu Ihrer eigenen Tätigkeit zurückkehren. Vor allem ist äußerste Sparsamkeit bei Meinungsäußerungen und Lösungen/Lösungswegen angeraten!
  3. Ihre Aufgabe ist es, die weitgehend selbständige Arbeit des Kindes mit (als innere Haltung zum Ausdruck gebrachtem) Interesse, Zuversicht und nie versiegender Geduld zu begleiten.
  4. Wo es dem Kind phasenweise an Neugierde und Energie mangelt, sollten sie ihrerseits Neugierde zeigen und Energie in den Prozess investieren. Neugierde drückt sich durch geschickt gewählte Fragen aus, wobei den eigentliche Arbeitseinsatz immer das Kind selber zu erbringen hat.
  5. Wer bis heute der Mathematik mit Angst begegnet, sollte sorgfältig zwischen den eigenen Empfindungen und denen des Kindes unterscheiden. Und wenn Sie Ihre eigenen Erfahrungen für den Moment beiseite gestellt haben, beobachten sie einfach Ihr Kind bei seiner Arbeit. Führt es doch ein anderes Leben und wird eigene Erfahrungen machen, die sich in jedem Fall von Ihren unterscheiden.
  6. Der Schlüssel liegt also im Zuhören und in der Aufmerksamkeit. Und die dafür erforderliche Hinwendung bindet so viel Energie, dass Sie Befürchtungen aller Art schnell vergessen haben werden – und Ihnen derweil eine ganz neue Begegnung mit der Mathematik widerfahren kann.
  7. Verzeihen Sie sich bei all dem eigene Fehler und Abweichungen von dieser Liste. Die zeigen dem Kind in entlastender Weise, dass auch Sie nur ein Mensch sind und ebenfalls durch Fehler lernen. Außerdem gibt es ja immer noch die Möglichkeit der Korrektur des eigenen Verhaltens. – Und die so segensreiche Möglichkeit zu einer aufrichtigen Entschuldigung.

Bedenken Sie dabei immer, dass die ersten Schuljahre prägend sind für die Haltung des Kindes zu Hausaufgaben und für die Art und Weise, in der es diese Aufgabestellung bewältigt. Die entscheidende Größe für die zukünftigen Schulleistungen spielt sicherlich die Selbständigkeit, zu der das Kind sich in der Lage zeigt. Die ist bei der Mehrzahl der Grundschüler gewiss nicht von Anfang an voll entwickelt, sondern sie nimmt unter einer angemessenen Begleitung mit der Zeit zu. Unstrittig dürfte sein, dass Kinder Selbständigkeit nicht lernen, wenn man ihnen dauerhaft Schwierigkeiten abnimmt und ihnen die eigene Struktur aufnötigt. Wie ein Katalysator wirken auf Grundschüler hingegen solche Erfolgserlebnisse, die voll und ganz auf ihre eigene Initiative zurückgehen. Und zu der kommt es am einfachsten dadurch, dass wir uns als Lernbegleiter anteilteilnehmend im Hintergrund halten.

Wie sieht es bei älteren Kindern mit häuslicher Unterstützung aus? Weil die Spreizung zwischen dem kalendarischen und dem Entwicklungsalter sehr groß sein kann und mit fortschreitendem Alter bei der Fragestellung das Individuelle eine weiter zunehmende Rolle spielt, empfiehlt sich in dem Fall die sorgfältige Berücksichtigung aller Rahmenbedingungen. Deshalb raten wir in dem Fall: Rufen Sie uns an und lassen sich im Rahmen eines Telefonats beraten. Sie erreichen uns unter (089) 48 998 536.

 

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Von | 2017-07-21T18:42:35+00:00 14. August 2015|0 Kommentare

Über den Autor:

Thorsten Kerbs
Thorsten Kerbs bringt als studierter Ingenieur der Luft- und Raumfahrt einen guten Blick für Struktur und Ordnung mit. Durch seine zweite akademische Qualifikation als Klinischer Psychologe sind ihm neben der Entwicklungspsychologie auch Lern- und Lehrthemen sowie Kommunikations- und Beziehungsthemen wohl vertraut. Auf dieser fachlichen Grundlage arbeitet er, der selber Vater zweier Kinder ist, seit über 10 Jahren mit Schülern und begleitet sie durch Lernthemen von der Grundschule bis zum Studium.

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