Warum individualisiertes Lernen?

Jedes Kind ist anders – ohne sich seine Eigenarten jedoch selber ausgesucht zu haben. Um sich nun im Laufe seiner Entwicklung selber kennenlernen und verstehen zu können, brauchen Kinder empathische und klare Antworten auf ihre Äußerungen und ihr Verhalten. Der Lernvorgang ist nämlich ein soziales Geschehen, oder um mit den Worten des Neurobiologen Gerald Hüther zu sprechen, ist unser Gehirn kein Denk-, sondern ein Sozialorgan.

Weil Kinder nun viel Zeit in der Schule verbringen und dort in der Regel auch Bedeutsames erleben, nimmt das in erster Linie die Lehrer in die Pflicht. Schulische Pädagogen verstehen ihren Auftrag aber häufig weniger pädagogisch als vielmehr rein fachbezogen-inhaltlich. Diese Ent-Individualisierung des Unterrichts dürfte eine große Rolle dabei spielen, dass die Lernfreude vieler Kinder oftmals mit der dritten Klasse beginnend sichtlich nachlässt. Individualisierende Lernsituationen tun also Not während der Schuljahre! Wir realisieren die im Rahmen der 1-zu-1-Unterrichtssituation mit pädagogisch speziell ausgebildeten Nachhilfelehrern.

Anhand eines Beispiels lässt sich am besten erklären, was individualisiertes Lernen im Nachhilfunterricht bedeutet.

Betrachten wir beispielsweise ein Grundschulkind in der 3. und 4. Klasse, das anhaltend Schwierigkeiten mit der Addition von Zahlen hat, die die Zehnergrenze überschreiten. Diese Schwierigkeit kann vielerlei Gründe haben und geht, wenn sie längere Zeit bestehen bleibt, in der Regel nicht auf einen reinen Übungsmangel zurück. Auch mit dem unscharfen Begriff der Dyskalkulie wäre erst einmal noch nichts erklärt – wiewohl von einer begrifflichen Ursachenzuschreibung erstmal eine beruhigende Wirkung ausgehen mag.

Es sollte jedoch zuerst darum gehen, besser zu verstehen, was genau im Kind vor sich geht, wenn es mit dieser Aufgabenstellung konfrontiert ist. Auf welche Art und Weise sind die Zahlensymbole im Kind mental symbolisiert? Also: Wie ist, um nur Beispiele zu nennen, die Verknüpfung zwischen den Zahlensymbolen mit dem zugehörigen Mengenverhältnis abgebildet? Gibt es in Bezug auf einzelne Zahlen oder Zahlenkombinationen Lücken oder Unschärfen? Lösen bestimmte Zahlen oder Zahlenoperationen Assoziationen oder emotionale Prozesse aus, die den Rechenvorgang beeinflussen, ihm im Wege stehen?

Wenn deutlicher wird, wie die gedanklichen Operationen und inneren Repräsentanzen des Kindes aussehen, dann erst kann eine Aussage getroffen werden, welche Vorgehensweise gewählt werden kann und sinnvoll ist. Nicht immer geht es dabei um ein Mehr an Übung, mitunter reicht es auch nicht, die abstrakte Materie stärker zu veranschaulichen, indem mit Material gearbeitet wird. Oftmals spielen ganz andere Faktoren eine Rolle, und auf dem Weg zur Lösung erledigen sich die Schwierigkeiten im Rechnen ganz nebenbei. So kann es zum Beispiel sein, dass ein Kind an seinem Platz zu schlecht sieht oder hört und in entscheidenden Unterrichtsphasen deshalb mit dem Tempo überfordert ist. Oder die Reihenfolge, in der neue Themen eingeführt werden bereitet bei der Verarbeitung Schwierigkeiten, weil dadurch eine ungeklärte Frage die mentale Auseinandersetzung mit dem Thema behindert. Wie schon erwähnt, sind die störenden Faktoren für Erwachsene oftmals überraschend – sie sind aber immer plausibel und, vor dem Hintergrund der Vielfalt des menschlichen Erlebens, zutiefst nachvollziehbar.

Es versteht sich von selbst, dass eine solche Nachhilfearbeit nur unter der Voraussetzung möglich ist, dass der Schüler und sein Lehrer sich gut verstehen. Ohne ein gerüttelt Maß an Sympathie für seinen Lehrer, seine Lehrerin ist für Kinder die zugehörige Anstrengung nicht zu leisten.

 

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Von | 2017-07-23T12:33:19+00:00 7. April 2011|0 Kommentare

Über den Autor:

Thorsten Kerbs
Thorsten Kerbs bringt als studierter Ingenieur der Luft- und Raumfahrt einen guten Blick für Struktur und Ordnung mit. Durch seine zweite akademische Qualifikation als Klinischer Psychologe sind ihm neben der Entwicklungspsychologie auch Lern- und Lehrthemen sowie Kommunikations- und Beziehungsthemen wohl vertraut. Auf dieser fachlichen Grundlage arbeitet er, der selber Vater zweier Kinder ist, seit über 10 Jahren mit Schülern und begleitet sie durch Lernthemen von der Grundschule bis zum Studium.

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