Trotzdem es sich bei dieser Aussage um eine wissenschaftlich gesicherte Erkenntnis handelt, ja fast um eine pädagogische Banalität, scheint die jedoch nicht so einfach ihren Weg in die Schulen zu finden. Dabei gibt es wenig Augenfälligeres als die großen körperlichen, geistigen und emotionalen Unterschiede sogar zwischen genau altersgleichen Kindern. Anstatt die schulischen Rahmenbedingungen ebenso wie die Ausbildung der Lehrer an diese Realität anzupassen, bleibt alles wie es ist. Die Zuständigkeit für die daraus erwachsenden Missstände wird einigermaßen frech an die schwächsten Glieder in der Kette delegiert: an die Kinder und deren Familien. Die bleiben auf dem Schaden sitzen – und fühlen sich vielfach für dieses institutionell verursachte Problem gar noch persönlich verantwortlich.

Wir von der Bayernnachhilfe halten diesen pädagogischen Reformstau für grundfalsch. Die Einschätzung ergibt sich nicht nur mit Blick auf unsere Schüler, sondern auch deshalb, weil die Institutsleitung der Bayernnachhilfe ebenso wie viele der Lehrkräfte selbst Schulkinder haben. Wir wünschen uns dringend ein verändertes Menschenbild und Entwicklungsverständnis in Politik und Ministerialbürokratie, ohne das es keine menschlicheren, gerechteren und besseren Schulen geben kann und geben wird.

In Hinblick auf unser Nachhilfeangebot ist uns sehr bewusst, dass dem Hauslehrer die Orientierung am Entwicklungsstand des einzelnen Kindes schon wegen der 1-zu-1-Unterrichtssituation vergleichsweise leicht gemacht wird. Allerdings braucht es über diesen Vorteil hinaus auch die passende innere Haltung des Lehrers. Ohne die wird es dem Lehrer auch unter den günstigsten Verhältnissen nicht gelingen, beispielsweise der Eigenzeit des Schülers im Unterricht eine tragende Rolle zu überlassen.

Aber wir wollen diesen Beitrag doch noch mit der ermutigenden Nachricht beschließen, dass es auch im universitär-pädagogischen Bereich lautstarke Rufer nach einer zeitgemäßen Unterrichtspraxis gibt. So beklagt der 2009 verstorbene Lehrer, Psychologe und Universitätsdozent für Schulpädagogik und Pädagogische Psychologie (LMU München) Prof. Dr. Kurt Singer äußerst sachkundig das erschütternde Versagen der pädagogischen Institutionen im Lande; und er verlangt nach Änderungen. In seinem lesenswerten Buch mit dem pointiert-zuspitzenden Titel „Die Schulkatastrophe“ schreibt er auf S. 35 dies:

„Lehrer müssen erkennen, dass jedes Kind anders ist. Es gilt, den lernpsychologischen Widersinn zu verbannen, alle Schüler …

–  zur gleichen Zeit,

–  im gleichen Tempo,

–  über die gleiche Sache,

–  auf dem gleichen Niveau,

–  mit der gleichen Methode

… zu unterrichten; stattdessen gilt es, durch differenzierenden und individualisierenden Unterricht jedes Kind zu dem ihm möglichen Ziel zu führen.“ [Die optische Hervorhebung durch einzelne Absätze finden sich so im Originaltext nicht. Sie erfolgt hier zum Zweck der Verdeutlichung.]

Halten wir fest, dass ein erheblicher Teil der Lernschwierigkeiten von Kindern nicht im Individuum begründet liegt. Sie gehen auf den Umstand zurück, dass die heute in den bayerischen Schulen vollzogene Unterrichtspraxis ebenso wie die administrativen Abläufe um die Bedürfnisse der Institutionen kreisen, anstatt vordringlich die Entwicklungsbedingungen jedes einzelnen Kindes in den Mittelpunkt zu rücken.

 

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