Mathe kann man verstehen, wirklich!

Sowohl frühere als auch heutige Schüler denken mit Grausen an ihren schulischen Mathematikunterricht. Die ungeliebten Stunden haben sich ihnen scheinbar unauslöschlich ins emotionale Gedächtnis eingegraben. Das ist sehr schade, lässt sich Schulmathematik doch eigentlich sehr gut vermitteln und begreifen. Und außerdem steht dieses Fach für mehr als nur das Lernfach und betrifft uns alle sehr persönlich. Unser Umgang mit Zahlen könnte uns Wichtiges über uns selbst mitteilen und vermag uns sehr pointiert wesentliche Prinzipien des Lebens zu verdeutlichen.

Indes beginnt das Drama damit, dass die meisten Menschen Mathematik mit Rechenoperationen gleichsetzen und die schulischen Lehrer diese irrige Annahme nur selten korrigieren. Tatsächlich ist es so, dass nach der Grundschule im Mathematikunterricht kaum noch gerechnet werden muss. Ein zweiter Irrtum über das Fach ist der, dass es dafür einer besonders ausgeprägten formal-logischen Intelligenz bedürfe. Sind solche Irrtümer einmal in der Welt, bringt man sie leider nur noch schwer aus den Köpfen von Schülern und Eltern.

 

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Mathematik steht für Ordnung und schrittweises Vorgehen

Nein, im Mathematikunterricht der weiterführenden Schulen wird wirklich kaum mehr gerechnet. Wer sich in der Grundschule durch die Grundrechenarten gekämpft und eine Vorstellung vom Zahlenraum erworben hat, muss auf dieses Handwerkszeug nur noch gelegentlich zurückgreifen. Viel häufiger werden auswendig zu lernende Bezüge abgefragt wie z. B. diesen: 169 ist die Quadratzahl von 13 und 196, die von 14. Wer in den ersten sieben Schuljahren solche elementaren Rechenoperationen wie Vokabeln auswendig gelernt hat, besitzt im Fach Mathematik einen Geschwindigkeitsvorteil, der in Prüfungssituationen mehr als nützlich ist.
Spätestens wenn die Variablen (x, y, n …) eingeführt werden, geht es im Mathematikunterricht vordringlich um die korrekte Durchführung vorgeschriebener Abläufe und Umformungen. Was muss ich tun, wenn ich einen bestimmten Prozentsatz von einer vorgegebenen Grundmenge bestimmen soll? Und wie sieht die Vorgehensweise aus, wenn die Grundmenge gesucht und der prozentuale Anteil gegeben ist? Welche Synonyme könnten in der Aufgabenstellung für den prozentualen Anteil stehen, so dass die vorgenannte Aufgabenstellung dieselbe ist, die Formulierung jedoch komplett unterschiedlich klingt? Überhaupt, Angaben werden in der Mathematik vielfach mit der Zielsetzung gewählt, größtmögliche Verwirrung zu stiften. Die Schüler sollen auf falsche Fährten gelockt werden, damit sie sich ein sehr genaues Denken angewöhnen. Oder die Aufgabenstellung ist bewusst so kryptisch verfasst, dass sie von den Schülern gar nicht erst gelesen wird. Sie vollziehen dann aus dem Bauch heraus Rechenoperationen, die bei solchen Aufgabentypen bislang immer richtig waren, nur eben in diesem Fall nicht greifen. Die Fachdidaktiker gehen davon aus, dass Schüler aus solchen Fehler die richtigen Schlüsse ziehen und die fortan vermeiden – was in der Praxis gar zu oft nicht der Fall ist. Wie auch immer. Dies alles zu begreifen und sich davon nicht aus der Ruhe bringen zu lassen, das ist die Art Mathematik, mit der Schüler in der Schule konfrontiert sind.
Im Grunde genommen ist der Mathematikunterricht also die perfekte Vorbereitung auf unser heutiges Berufsleben, in dem jeder Handgriff gemäß einer detailgenauen DIN-ISO-Norm zu erfolgen hat und ein nicht unerheblicher Teil der Tätigkeiten streng logische Aspekte etwa des Programmierens enthält. Wer vor einen Monitor arbeitet, ist unbedingt zur Logik verdammt, weil der Computer allein ein strikt logisches Vorgehen versteht. – Und wer verbringt heute seinen Arbeitstag nicht mehr an einem digitalen Arbeitsplatz!?
Vor dem Hintergrund erscheint es rätselhaft, warum Kindern die tiefere Bedeutung des Faches im Sinne des eben Gesagten nicht verdeutlicht wird. Und ihnen der Einstieg durch eine ausgefeilte Didaktik und pädagogisch ausgezeichnet arbeitende Lehrer in frühen Jahren nicht erleichtert wird. Obwohl es an den Universitäten schlüssige fachdidaktische Konzepte gibt und wir heute viel über „Lernen lernen“ wissen bzw. wie sich die Lust auf Mathe wecken lässt, wird im Jahr 2015 noch unterrichtet wie vor 50 Jahren.

Kleine Erfolgserlebnisse

Weil unsere Nachhilfeschüler mit Bedarf an Unterstützung in Mathematik zumeist eine lange Leidensgeschichte hinter sich haben, brauchen sie erst einmal kleine Erfolgserlebnisse, um sich überhaupt auf den Unterricht einlassen zu können. Zu Beginn können das noch die guten Noten in Exen und Schulaufgaben sein; bis die sich einstellen, ist ein gar zu langer Weg zurückzulegen. Die Erfolgserlebnisse stellen sich dadurch ein, dass die jungen Leute im Nachhilfeunterricht möglichst viel selbst und eigenverantwortlich arbeiten. Das beginnt schon mit der Art der Lehrer-Schüler-Kommunikation, in der idealerweise der Schüler eine tragende Rolle innehat. Es wird fachlich auf einem niedrigen Anforderungsniveau begonnen, das sich an den Voraussetzungen des Schülers orientiert. Wenn er ein wenig Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten gewonnen hat, können die Anforderungen langsam steigen.
Die Aufgabe des Lehrer ist über lange Zeit hinweg die, für eine gute Stimmungslage zu sorgen und emotionale Störungen fern zu halten. Der Lehrer selber liefert nur dann Erklärungen und Beiträge, wenn das zwingend erforderlich ist, wenn sich der Schüler selbst nicht helfen kann. Das sind vielfach diejenigen Momente, in denen sich die Sinnfrage stellt, die übrigens von evidenter Bedeutung ist: „Wozu das Ganze, würden wir ohne diesen Mist nicht besser leben!?“ Die Frage ist wichtig und aus einer entwicklungspsychologischen Perspektive betrachtet überaus berechtigt, weshalb der Lehrer in der Lage sein muss, Lebensweltbezüge herzustellen.

Didaktisch gutes Material ermöglicht das Selbststudium

Selbstwirksame Erfolgserlebnisse stellen sich nur dann ein, wenn der Erfolg eigenständig erzielt wurde. Deshalb ist das selbständige Üben außerhalb der Nachhilfestunde in den meisten Fällen wichtig. Dabei geht es mehr um das selbständige Tun als um den fachlichen Übungsaspekt, weshalb es dafür didaktisch gut aufgebautes Material braucht. Das gibt es in der Regel in der Fachbuchhandlung zu kaufen gibt. Denn so katastrophal schlecht die meisten Mathematik-Schulbücher sind, so ausgefeilt kommt oftmals das Begleitmaterial daher. Gerade im Klett-Verlag sind sehr gute Übungsbücher erschienen. Die Kombination aus schlechten (kostenlosen) Lehrbüchern und guten (kostenpflichtigen) Zusatzmaterialien ist natürlich ein Geschäftsmodell und ganz offensichtlich ein einträgliches.

Schließlich sollten die jungen Leute, die sich einige Zeit selbständig und ohne Unterstützung von außen mit dem Material befasst haben, auch eigenständig durch den schulischen Mathematikunterricht kommen. Wenn sie dessen Grundprinzipien verstanden haben, wissen sie, worauf es eigentlich ankommt und verlieren die unangemessene Furcht vor diesem Fach.

Rufen Sie uns an, oder lassen Sie sich anrufen, wir beraten Sie gerne im persönlichen Gespräch!

 

P.S. Die im Text durchscheinende Leichtfüßigkeit beim Blick auf das Mathematische ist übrigens nur in den Fällen berechtigt, in denen nicht eine lerntherapeutische Thematik vorliegt. Wer mit einer Dyskalkulie kämpft, wäre in jungen Jahren auf Unterstützung angewiesen und hätte eines hoch anschaulichen und völlig druckfreien Lernens bedurft. In dieser Zeit entscheidet sich bei solchen Kindern, ob die Bewältigung der Grundrechenarten womöglich zu einer großen Hürde wird. Die Hürde stünde dann so lange, bis eine wirksame lerntherapeutische Hilfestellung erfolgt.

 

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Von | 2017-08-28T12:15:27+00:00 31. Oktober 2015|0 Kommentare

Über den Autor:

Thorsten Kerbs
Thorsten Kerbs bringt als studierter Ingenieur der Luft- und Raumfahrt einen guten Blick für Struktur und Ordnung mit. Durch seine zweite akademische Qualifikation als Klinischer Psychologe sind ihm neben der Entwicklungspsychologie auch Lern- und Lehrthemen sowie Kommunikations- und Beziehungsthemen wohl vertraut. Auf dieser fachlichen Grundlage arbeitet er, der selber Vater zweier Kinder ist, seit über 10 Jahren mit Schülern und begleitet sie durch Lernthemen von der Grundschule bis zum Studium.

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