Obtineas, die Lösung klassischer Nachhilfeprobleme

Nachhilfe, die nicht der Obtineas-Methode folgt, läuft üblicherweise als sogenannte Pauknachhilfe ab: Ein fachlich versierter Lehrer erklärt der Schülerin oder dem Schüler den Schulstoff erneut und lässt sie anschließend unter Aufsicht üben. Das klingt theoretisch gut, funktioniert aber in der Regel nicht wirklich zufriedenstellend.

Das liegt auch daran, dass dieses Lernen weder Lernfreude zum Ziel hat noch ein übergeordnetes Verständnis anstrebt. Stattdessen geht es in erster Linie darum, die Prüfungsanforderungen zu bewältigen. Sowie die Prüfung hinter einem liegt, wendet man sich dem nächsten Thema zu. So wundert es nicht, dass die jungen Leute einen solchen Lern-Drill viel zu häufig als ermüdend und freudlos erleben.

Ein wesentliches Problem der Pauknachhilfe ist ihre Ähnlichkeit zu dem häufig als langweilig empfundenen Schulunterricht. Im Anschluss an einen langen Schultag, verlängert die Nachhilfe die schulische Art und Weise des Lernens in den Nachmittag oder Abend, also tief ins private Umfeld. Eigentlich sollten jetzt Bewegung, Freunde, Hobbys und selbstbestimmte Freizeit auf der Agenda stehen. Stattdessen müssen die jungen Leute wieder in die Rolle der Zuhörenden schlüpfen und sich passiv-rezeptiv eine sehr eingegrenzte Arbeitsweise aneignen. Wieder geht es darum, vorgefertigte Ablaufmuster möglichst exakt und variantenarm zu reproduzieren.

Hinzu kommt, dass ein solcher Ablauf die Schüler dazu verführt, ihre Aufmerksamkeit in der Schule herunterzufahren. Und sich zum Ausgleich bezüglich der Vermittlung des Lernstoffs auf die Nachhilfe zu verlassen. Dort wird der Stoff, wenn es gut läuft, durch die Eins-zu-eins-Lernsituation speziell an die Bedürfnislagen des einzelnen Schülers angepasst. Nach einigen Jahren regelmäßiger Nachhilfe ergibt sich daraus nicht selten eine „Nachhilfeabhängigkeit“, in der die Schüler ohne Nachhilfe nicht mehr bestehen können. Wir sprechen deshalb auch vom „süßen Gift der Nachhilfe“.

Die Forschung weist Wege aus diesem Dilemma

Die italienische Reformpädagogin Maria Montessori formulierte früh den denkwürdigen Leitsatz ihrer gleichnamigen Pädagogik, „Hilf mir, es selbst zu tun!“ Kinder wollen selber handeln. Sie wollen ihre eigenen Lernerfahrungen möglichst eigenständig machen, aus eigener Kraft an Kompetenz gewinnen. Gleichzeitig ist besonders das schulische Lernen ein dialogisches Geschehen, es braucht also ein Gegenüber, mit dem ein sogenanntes Lehrgespräch geführt werden kann. Die Idee von Maria Montessori wurde einige Zeit später durch die Ergebnisse der modernen Lehr-Lern-Forschung nachhaltig bestätigt. Heute gilt als wissenschaftlich gesichert, dass solche Lehrkraft gute Lehrende sind, die ihren Schülern möglichst viel Raum für eigene Lernerfahrung eröffnen.

Der Beziehungsaspekt, der in dieser Idee zu einer modernen pädagogischen Arbeit mitschwingt, wurde in der großen Meta-Studie von John Hattie wissenschaftlich begründet. Hattie suchte mit wissenschaftlichen Methoden nach den entscheidenden Einflussgrößen und Effekten auf den Lernerfolg von Schülern, indem er qualitativ hochwertige Studien auswertete, die vorher zu dem Thema veröffentlich worden waren. Seine sogenannte Metastudie, in der die große Bedeutung des Lehrers für den Lernerfolg herausgestellt wird, erntete viel Aufmerksamkeit. Im Alltag der bundesdeutschen Schulen änderte sich dadurch jedoch erstaunlich wenig.

Unsere Lösung: die Obtineas-Methode

Bei der Bayernnachhilfe haben wir diese Einsichten aufgegriffen und sie in eine einfach anzuwendende und hoch wirksame Unterrichtsmethode übersetzt. Unsere Lehrkräften bekommen ein Fortbildungsangebot, bei dem sie sich diese Art der Einzelnachhilfe aneignen und sie dann zum Einsatz zu bringen können. Sofern sie zum Kind, zu seiner Lernsituation und natürlich auch zur Lehrkraft passt.

Der Name Obtineas ist übrigens dem Lateinischen entlehnt und soll ausdrücken, dass der Schüler eine Art Hoheit im Lernprozess behält. Die Lehrkraft lenkt und führt durch das Unterrichtsgeschehen. Sie bemerkt jedoch, vor dem Hintergrund ihrer methodischen Kenntnis, was es im jeweiligen Moment braucht und in welcher Form die Unterstützung des Lernprozesses erfolgen sollte. Nicht selten geschieht das, indem steuernde Eingriffe unterbleiben. Wenn die Schülerin fragt, was sie als nächstes machen, wie sie vorgehen soll, wäre die Antwort im Obtineas-Unterricht eine Gegenfrage: „Wie würdest du denn vorgehen, wenn ich jetzt nicht hier wäre? Wie würdest du vorgehen, um dich eigenständig einer Antwort anzunähern?“

Der Lernprozess wird für die Heranwachsenden dadurch erleichtert, dass jemand mit Interesse ihr inneres und äußeres Handeln verfolgt. Auch das ist Teil der Obtineas-Methode. Denn aus dieser gerichteten Aufmerksamkeit erwächst eine unmittelbare Ermutigung, aus der für die Lernenden ein Zuwachs an Ausdauer und Konzentration resultiert. Die Lernenden erleben sich, wenn diese Form einer sehr zurückhaltenden Unterstützung gut gemacht ist, selber als wirkmächtig und gewinnen dadurch an Selbstbewusstsein.

Nachteile der Obtineas-Methode?

Warum arbeiten eigentlich nicht alle Nachhilfeinstitute nach dieser Methode? Immerhin ist sie weder geschützt noch setzt sie eine spezielle Fachlichkeit voraus. Aus unserer Sicht gibt es dafür zwei Gründe. Zum einen ist diese Arbeitsweise kontra-intuitiv: sie gelingt nicht, wenn man einfach nur seinem Bauchgefühl folgt. Denn wer etwas weiß, möchte sich mitteilen. Deshalb neigt die Mehrzahl der Nachhilfelehrenden auch dazu, ihren Schülern konsequent Fragen zu beantworten und mit großer Bereitwilligkeit wortreich zu erklären. Wer hingegen nach Obtineas arbeitet, hält sich mit Antworten zurück und steuert das Lehrgespräch so, dass die Schülerin oder der Schüler sich möglichst viele Antworten selbst erschließen. Lehrkräfte brauchen somit für Obtineas eine gute Fähigkeit zur Selbstbeobachtung und Selbstkontrolle.

Der zweite Grund für die geringe Verbreitung dieser Methode ist ein ökonomischer. Unterrichtet man seine Schüler länger, verringert das die Kosten für die Gewinnung neuer. Erweist sich die Nachhilfe hingegen als wirksam und die Schüler gehen nach relativ kurzer Zeit wieder auf ihren eigenen Füßen durch die Schulzeit, schadet das dem Geschäft. Jedes Nachhilfeinstitut und jede selbständig arbeitende Nachhilfelehrkraft muss also für sich eine strategische Entscheidung treffen, welches übergeordnete Ziel verfolgt werden soll. Dabei gilt, dass sich gute Noten leichter herbeiführen lassen, wenn die Unterrichteten eng geführt werden und stark kontrolliert werden. Der Preis dafür ist jedoch ein hohes Maß an Unselbständigkeit, von dem man nicht weiß, ob und wann es im Laufe des Lebens wieder abgelegt wird.

Als Leiter eines Nachhilfeinstituts stellt man sich durchaus hin und wieder die Frage, wie viele Lehrkräfte und Eltern eigentlich um die Bedeutung dieses nicht ganz unwesentlichen Punktes wissen. Wie wichtig ist uns die Frage, ob Unterricht das selbständige Lernen fördert oder eine innere Abhängigkeit aufbaut? Das Ziel der menschlichen Entwicklung ist in der Frage jedenfalls eindeutig. Sie strebt, wenn man der Natur ihren Lauf lässt, Autonomie im Sinne einer selbständigen Entscheidungs- und Handlungsfähigkeit an. Wir sollten im Hinterkopf behalten, dass der zugehörige Lernprozess sozialer Natur ist und sich maßgeblich während der Schülerjahre abspielt.

 

 

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