Auf den Philosophen Ludwig Wittgenstein geht der Ausspruch zurück: „Die Grenzen meiner Sprache sind die Grenzen meiner Welt“. Heute wissen wir, dass Sprache und Denken tatsächlich in hohem Maße gleich zu setzen sind. Damit unsere Kinder ihr intellektuelles Potential möglichst weitreichend ausschöpfen können, sind sie besonders während der ersten zehn Lebensjahre auf die Unterstützung der Erwachsenen angewiesen. Sie brauchen gute Sprecher in Ihrem Umfeld, damit sie ihre eigene Sprachkompetenz entfalten können. Und sollten ein Kind beim Lesen oder Schreiben mit Schwierigkeiten zu kämpfen haben, ist die Begleitung durch kompetente Sprecher besonders wichtig.

Aber wie sieht eine solche Hilfestellung eigentlich aus? Was können Eltern und Fachkräfte tun, um die Lesefreude der Kinder anzufachen, sie ihnen über die Jahre zu erhalten oder sie womöglich noch weiter zu steigern? Dazu möchten wir Ihnen im untenstehenden Text einige Tipps vorstellen.

Wie Sie Ihr Kind für die Freuden der gesprochenen und geschriebenen Sprache gewinnen:

Das geschieht am leichtesten, indem Sie sich von früh an und immer mal wieder die Zeit nehmen, Ihrem Kind mit echtem Interesse zuzuhören. Es genügen täglich wenige Minuten, wenn Sie in der Zeit wirklich mit ungeteilter Aufmerksamkeit beim Kind und seiner Sache sind. Für die Freuden der geschriebenen Sprache gewinnen Sie Ihr Kind beispielsweise dadurch, dass Sie ihm auch solche Texte vorlesen, die Ihnen selber Freude bereiten oder früher bereitet haben. Dazu ein Beispiel: Wenn Sie in Ihrer Kindheit gerne Asterix & Obelix gelesen haben, dann wird Sie das auch heute noch an Ihre damalige Begeisterung erinnern. Die Gefühle aus der Vergangenheit kehren zurück und übertragen sich auf Ihren kleinen Zuhörer – und der Ihnen mit großem Interesse lauschen, weil Gefühle mit im Spiel sind. Der Inhalt der gelesenen Texte spielt erstaunlicherweise keine allzu große Rolle, viel wichtiger ist das emotionale Geschehen: Je mehr sich Begeisterung, Interesse und Freude (über das Miteinander) über Ihre Stimme zum Ausdruck kommen, umso gebannter wird Ihr Kind bei der Sache sein und desto mehr macht es sich in dem Moment die Sprache zueigen.

Sollten Sie das Gefühl haben, der oben genannte Weg sei über all die Jahre womöglich zu kurz gekommen, dann halten Sie sich nicht lange bei diesem Gedanken auf. Beginnen Sie damit stattdessen hier und jetzt damit, das Versäumte nachzuholen. Denn es ist nie zu spät, um über den Austausch erkennbare Effekte zu erzielen. Auch im Jugendalter besitzt das Gehirn noch eine enorme Plastizität, und wo die Zeit für Kinderbücher vorüber ist, gibt es Zeitschriften/Zeitungen, Filme/Serien Museen/Ausstellungen und vieles andere mehr, auf das sich anregende Gespräche beziehen können.

Wie Sie einen Beitrag leisten, um Ihrem Kind die Sprach- und Lesefreude zu erhalten:

Der direkteste Weg dahin sieht so aus, dass Sie selber hin und wieder zum Buch oder zur Zeitung greifen und sich davon fesseln lassen. Kinder machen uns alles (alles!) nach, im Guten wie im Schlechten. Das gilt ebenso für unsere Lese- und Sprachgewohnheiten.

Darüber hinaus vermittelt der Schulstoff immer wieder neue Themen, über die Sie mit ihrem Kind ins Gespräch kommen können. Es gibt doch so Vieles, was wir schon wieder vergessen oder früher ganz anders gelernt haben. Warum nicht das eigene Wissen vom Nachwuchs auffrischen lassen? Hören Sie einfach geduldig zu, fragen Sie hier und da nach, melden Sie vereinzelt Zweifel an, wo etwas nicht zu stimmen scheint oder nach Halbwissen klingt, regen Sie eine gemeinsame Recherche an. Das alles muss nicht allzu lange dauern und viel Zeit in Anspruch nehmen. Es gilt auch hier: Wenn Sie wenige Momente voll und ganz bei der Sache sind, hinterlässt das erheblich mehr bleibende Spuren, als wenn Sie sich über einen längeren Zeit hinweg quälen und anstrengen. Begeisterung wirkt ansteckend!

Wie Sie unterstützen können, dass Ihr Kind seine Sprachkompetenz weiter steigert:

Wenn die sprachliche Basis gelegt ist, das ist das Schöne daran, müssen Sie sich nicht groß weiter kümmern. Denn Sprachkompetenz gerinnt fast unausweichlich zu sozialer Kompetenz. (Unter anderem deshalb: Wer sich gut und treffend auszudrücken vermag, senkt die Zahl der Missverständnisse und daraus erwachsender Konflikte.) Ihr Kind sucht nun den Kontakt mit vielen anderen Menschen, weil es Lust auf weitere Erfolgserlebnisse hat. Das wiederum erweiterte seine sprachlich-interaktionelle und damit seine intellektuelle Kompetenz – womit es sich in einem sehr erfreulichen Verstärkerkreislauf befindet. In dieser Phase ist es deshalb wichtig, den Kindern viel Gelegenheit zu geben, mit Gleichaltrigen in Kontakt zu sein. Das ist der so nützliche Nebeneffekt, wenn Kinder mit Begeisterung ein Hobby betreiben, wenn sie sich mit viel Einsatz für Dinge engagieren, die ihnen wichtig sind. Es macht dabei keinen großen Unterschied, ob es sich bei dem Engagement um den Schach- oder den Fußballverein handelt. Hier wie dort ist viel Abstimmung erforderlich, sind Konflikte zu lösen, geht es nicht ohne erfolgreiche Verständigung.

Sie haben bis hierhin gelesen und sind somit wirklich am Thema interessiert. Dann könnten für Sie noch die folgenden Stichpunkte von Interesse sein. Oder Sie hätten gerne eine telefonische Beratung. In dem Fall rufen Sie unter (089) 489 985 36 an oder bitten über das Kontaktformular um einen Rückruf.

 

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