Teilleistungsstörungen: Legasthenie und Dyskalkulie

Legasthenie und andere Eigenarten des Lernens verstehen wir in erster Linie als Herausforderung und eine von zahlreichen Normvarianten. Insofern distanzieren wir uns vom Begriff der TeilleistungsSTÖRUNG, weil der einen Defekt, das Vorliegen einer Unzulänglichkeit impliziert. Tatsächlich ist die Unzulänglichkeit viel eher auf Seiten des Schulsystems zu suchen, das nicht die Flexibilität aufbringt, sich ernsthaft auf solche Normvarianten einstellen zu wollen oder zu können. Denn es ist definitiv so, dass der Nachteilsausgleich schon in mittelschweren Fällen nur unzureichende Entlastung verschafft und sein Beitrag zur Bewältigung der Herausforderung unzureichend ist.

Wir konzentrieren uns in unserer Arbeit darauf, dass legasthene Kinder wieder an Selbstbewusstsein gewinnen. Dazu gehört neben einer konstruktiven, freudigen Arbeitsatmosphäre, eine konsequente Orientierung an den Stärken des Kindes (die es immer gibt!). Weiterhin gehört dazu ein Üben, das nicht nur zeitgemäße Methoden anwendet, sondern auch stark auf das Kind hin ausgerichtet vorgeht.

So vielfältig wie die Menschen sind, so vielfältig fallen auch die kindlichen Entwicklungswege und Stärken-Schwächen-Profile aus. Eine dieser Varianten bildet solche Kinder ab, die ganz typische Schwierigkeiten mit dem Lesen, dem Schreiben, dem Rechnen oder einer beliebigen Kombinationen der drei grundlegenden Kulturtechniken haben.

Teilleistungs; Störung; Legasthenie; Dyskalkulie

Sind sie deswegen dümmer als ihre Mitschüler, denen das alles leichter von der Hand geht? Messung mit von den Lese- und Schreibfertigkeiten des Probanden unabhängigen Intelligenztests zeigen, dass legasthene Kinder keineswegs dümmer oder intellektuell benachteiligt sind; manchmal gilt sogar das Gegenteil. Auch wenn das auf Nicht-Fachleute und mitunter auch auf mit der Materie nicht vertraute Lehrer so wirkt, sind Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit Legasthenie oder Dyskalkulie ähnlich intelligent wie ihre Mitschüler.

Es ist also wichtig, verstanden zu haben, dass sogar hochbegabte Kinder auch in höheren Jahrgängen noch am Lesen oder Niederschreiben einfachster Texte kläglich scheitern können. Die intuitive Verknüpfung in unseren Köpfen zwischen der Lese-/Schreibleistung und der intellektuellen Leistungsfähigkeit gilt bei legasthenen Kindern nicht. Diesen gedanklichen Schritt sollten sowohl Eltern als auch Lehrer unbedingt vollziehen. Und im nächsten Schritt sind die betroffenen Kinder darüber zu informieren und müssen ihnen die erwartungswidrigen Zusammenhänge erläutert und glaubhaft gemacht werden. Diese Erkenntnis hat eine enorm entlastende Wirkung, und darauf darf angesichts des mühsamen Weges nicht verzichtet werden.

Es handelt sich bei Legasthenie und Dyskalkulie auch nicht um eine Krankheit oder Störung, sondern wir müssen aufgrund der großen Häufung und des fehlenden „pathologischen Substrats“ von einer Normvariante sprechen. Wenn in Zukunft das Wesen dieser Phänomenologie besser verstanden sein wird, wenn wir dann auch Schulen haben werden, in denen solche Kinder mehr Zeit, günstigere Rahmenbedingungen und mehr Verständnis für ihre Besonderheit erfahren, dann werden wir vermutlich auch einen Blick für die speziellen Talente entwickeln, die legasthene Kinder oftmals zu entfalten vermögen.

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Von |2017-08-30T13:30:48+00:0014. April 2011|0 Kommentare

Über den Autor:

Thorsten Kerbs
Thorsten Kerbs bringt als studierter Ingenieur der Luft- und Raumfahrt einen guten Blick für Struktur und Ordnung mit. Durch seine zweite akademische Qualifikation als Klinischer Psychologe sind ihm neben der Entwicklungspsychologie auch Lern- und Lehrthemen sowie Kommunikations- und Beziehungsthemen wohl vertraut. Auf dieser fachlichen Grundlage arbeitet er, der selber Vater zweier Kinder ist, seit über 10 Jahren mit Schülern und begleitet sie durch Lernthemen von der Grundschule bis zum Studium.

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