Wie oft hören wir in Beratungsgesprächen das von Zweifeln genährte Seufzen erschöpfter Eltern: Ob all die Mühen jemals fruchten werden!? Die vielen Stunden der Hausaufgabenbetreuung, das gemeinsame Üben, Durchdenken und gute Zureden – ganz zu schweigen von den Ausgaben für die Nachhilfe. Dabei neigen Eltern häufig dazu, den Erfolg ihrer Bemühungen zu sehr am kurzfristigen Notenerfolg zu messen. Der spätere Nutzen ihrer liebevollen Begleitung verblasst angesichts der gegewärtigen Dramatik.

Das ist schade, denn es gibt neue interessante Forschungsergebnisse zu dem, was auf Dauer Bestand hat: Eine Untersuchung der Washington University zeigt, dass Zuwendung und hilfreiche Unterstützung solche Hirnareale von Kindern wachsen lässt, die für Gedächtnisleistungen, Gefühle und Stressresistenz zuständig sind. Eine liebevolle Unterstützung von Kindern zahlt sich somit letztlich aus, wenn auch mitunter zeitlich verzögert. Lassen Sie sich also bitte das Vertrauen in ihr Kind von schulischen Rückschlägen nicht korrumpieren! Wir selber nehmen das als Ermutigung, der Qualität der Lehrer-Schüler-Beziehung auch weiterhin große Bedeutung zuzumessen.

Zugegeben, der Bogen vom Kleinkind zum Schulkind, und letztendlich gar zur wertschätzenden Mitwirkung des Nachhilfelehrers, ist weit gespannt. Jedoch unterstreicht der vorgestellte Forschungsbefund das, was in der Bindungs- und Säuglingsforschung schon lange als wissenschaftlicher Konsens gilt: Die so wenig objektivierbare „innere Haltung“ der Erwachsenen, ihre Kontaktbereitschaft oder Beziehungsfähigkeit, diese unscharfen Größen haben auf die Entwicklung von Kindern jeden Alters einen herausragenden Einfluss. Die Freude ist also groß, wenn diese aus Sicht der RCT-Forschung wachsweichen Konzepte einen Beleg in Form physiologischer Messgrößen erfahren. Die Essenz daraus lautet kurz gesagt wohl so, dass liebevolle mütterliche Zuwendung sich für das Kind hochverzinst auszahlt!

Zudem ist das Wasser auf die Mühlen unserer eigenen Überzeugungen, da wir als Nachhilfelehrer Tag für Tag erleben, wie die innere Haltung das kindliche Lernverhalten, die Ausgeglichenheit in Stress-/Prüfungssituationen und die Motivation des Schülers entscheidend verändern kann. Die Lehrer-Schüler-Beziehung stellt während der Schulzeit – im Positiven wie im Negativen – für die Entwicklung der Kinder eine bedeutsame Größe dar.

Und welche Rolle spielen Väter in dem Ganzen? Vermutlich macht es keinen Unterschied, ob der support – so die Begrifflichkeit im Originaltext der Studie – von einer weiblichen oder männlichen Bezugsperson ausgeht. Die Untersuchung bildet das nicht ab, wohl auch weil sie davon ausgeht, dass in der überwiegenden Zahl der Familien die Kleinkindbetreuung von der Mutter übernommen wird. Ganz ohne Zweifel spielt jedoch die Haltung des Vater zum Kind bzw. zur Familie eine prägende Rolle für die Bereitschaft und Möglichkeit der Mutter, auf den Nachwuchs und seine Bedürfnisse einzugehen. Insofern möge sich der geschätzte männliche Leser unserer Überschrift bitte nicht zurückgesetzt fühlen. Denn ohne einen liebenden Vater hat es die Mutter schwer, sich ihre Liebe zum Kind zu erhalten. Und ein an Schulangelegenheiten ernsthaft interessierter und engagierter Vater trägt ohne Frage Entscheidendes zum Schulerfolg seines Kindes bei.

 

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