Fallbeispiel zur Nachhilfe: „Realschüler, Mathe, 9. Klasse“

Der Münchener Realschüler, an dessen (anonymisiert dargestellten) Beispiel wir Interessierten unsere Arbeitsweise verdeutlichen wollen, stand ein Jahr vor der mittleren Reife. Seine mathematischen Fertigkeiten und Kenntnisse waren niedrig, seine Leistungsmotivation ordentlich ausgeprägt, allerdings zeichnete er sich durch eine äußerst ablehnende Haltung der Mathematik gegenüber aus.

Das äußerte sich im Nachhilfeunterricht wie folgt. Nach einer freudigen Begrüßung, einem unbeschwerten Einstiegsgespräch über den Verlauf der letzten Schulwoche, machte sich sogleich eine mit Düsternis und Ärger aufgeladene Stimmung breit, kam die Rede auf Mathematik. Es zeigte sich im Lauf des Nachhilfeunterrichts, dass dies weder auf eine schlechte Schüler-Lehrer-Beziehung (zwischen ihm und der schulischen Lehrkraft) noch auf den Klassenverband seiner Münchener Realschule zurückging. Es war einfach so, dass Mathe ihm schlechte Laune machte.

Wie Gefühle das mathematische Lernen stören können

Nach einiger Zeit bemerkte auch er, unter den Hinweisen seines Lehrers, die atmosphärische Veränderung als ein gewissermaßen automatisiertes Phänomen. Dieses Phänomen gehörte nach neun Jahren Schule schon so unumstößlich zu ihm, dass er sich ein anderes Erleben kaum vorstellen konnte. Die Phantasie seines Nachhilfelehrers, dass er sich im weiteren Verlauf des Nachhilfeunterrichts womöglich sogar einmal an der mathematischen Betätigung freuen könnte, löste bei ihm keine Belustigung aus. Nein, allein diese Äußerung ließ ihn ärgerlich reagieren.

Nach einigen Nachhilfestunden zeigte sich eine weitere Verhaltensweise, die einer Verbesserung seines mathematischen Verständnisses ebenso wie seinem Prüfungserfolg im Weg stand. In ganz bestimmten Situationen, während er in die Bearbeitung einer Mathematikaufgabe vertieft war, richtete er seinen Blick fragend auf seinen Nachhilfelehrer. (Der lächelte dann freundlich zurück, ohne Antwort und Lösung anzubieten. Damit brachte er zum Ausdruck, dass er seinem Schüler die selbständige Beantwortung der Frage zutraut – und deshalb schweigt.) Schüler und Lehrer fanden heraus, dass dieser „orientierende Blick“ Ausdruck eines sehr feinen Unwohlseins war. Die Intuition des jungen Mannes signalisierte ihm damit in etwa diese Botschaft: „Irgendwie habe ich gerade ein ungutes Gefühl mit dem, was ich gerade tue. Zwar weiß ich es nicht zu begründen, aber es kommt mir so vor, als befinde ich mich gerade auf einem Holzweg!“.

Auf die Intuition hören

Sein Nachhilfelehrer ermutigte ihn, auf das Zeichen zu vertrauen und in solchen Fällen (also wenn es ihn dazu drängt, in seiner Umgebung nach einer Antwort zu suchen) von einem Irrweg, einer falschen Entscheidung oder ungüstigen Vorgehensweise auszugehen. Unser Realschüler testete das aus und kam zu dem Ergebnis, dass er seiner Intuition tatsächlich vertrauen könne. Sie meldete sich mit verblüffend hoher Zuverlässigkeit, schien also trotz seiner mathematischen Defizite ein zuverlässiger Ratgeber zu sein. Die gesuchte Antwort kam also nicht von einer außenstehenden Person, sondern aus ihm selber.

Diese Erkenntnis steigerte sein Selbstbewusstsein erkennbar. Derweil gelang es ihm immer häufiger, sich nicht von seinen Unlustgefühlen aus der Arbeit reißen zu lassen. Es genügt der Hinweis seines Lehrers, dass offensichtlich gerade wieder der Ärger im Anmarsch sei. Dann wandte er sich wieder seiner Arbeit zu und vergaß den wenig hilfreichen Ärger. Und je mehr er arbeitete, desto sicherer wurde er. Je sicherer er wurde, desto häufiger erzielte er korrekte Ergebnis. Die große Zahl korrekter Ergebnisse ließ mit der Zeit dann doch so etwas wie Freude an der Mathematik entstehen …

Ein Happy-End

Aber bevor es dazu wirklich kommen konnte, freute sich unser Realschüler über die Zusage eines Arbeitgebers für eine Lehrstelle. Die Mittlere Reife bestand er mit einem respektablen Ergebnis. Und die Mathematik der Berufsschule konnte ihm von jetzt ab keinen Schrecken mehr einjagen.

 

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