Die Trennlinie zwischen Nachhilfe und Hausaufgabenbetreuung ist theoretisch scharf gezogen: Im Nachhilfeunterricht werden grundlegende fachliche Lücken aufgearbeitet und Prüfungen gezielt vorbereitet. Hingegen beschränkt sich die Hausaufgabenbetreuung auf die Nachbearbeitung des Schulstoffs, der anhand der Hausaufgaben eingeübt werden soll.

Jedoch stehen bayerische Schüler zu Zeiten von Übertrittsstress, Ganztagsschulen und Bulimie-Lernen im G8 unter enormem Zeitdruck. Deshalb erweist es sich oft als sinnvoll, die Erledigung von Hausaufgaben gleich in den Nachhilfeunterricht mit einzubinden. Für den Nachhilfeschüler lösen sich dadurch gleich zwei Probleme: Er hat nicht nur den Lernstoff verstanden, zudem ist nach der Nachhilfestunde hausaufgabenfrei und hat Zeit für Familie, Hobbies und Freunde!

Hausaufgabenbetreuung als leidiges und konflikthaftes Thema

Eine große Zahl von Kindern wächst heute zum Glück in einem Umfeld auf, das reich an Anregungen und Möglichkeiten ist. Man könnte sogar vermuten, dass Kinder in ihren entwicklungsbezogenen Bedürfnissen noch nie so gut verstanden wurden. Zu keiner Zeit wurde mit Kindern so viel gesprochen und es gab wohl auch noch keine Generation, die so viel von der Welt gesehen hat wie diese.

Der Schule erwächst aus diesem Umstand jedoch eine Schwierigkeit: sie wird unglaubwürdig und irrelevant. Im Unterricht gestellte Aufgaben haben sich Sachbearbeiter ausgedacht. Sie bleiben für die weltläufigen jungen Leute immer theoretisch und ohne praktischen Bezug zu ihrer Lebenswelt. Wenn die Mathehausaufgaben erledigt wurden, hat man vielleicht die höhere Mathematik ein wenig besser begriffen; am Lauf der Welt ändert dies jedoch nichts. – Diese Erkenntnis ereilt die jungen Leute in einem Alter, in dem sie das Gefühl haben, Bäume ausreißen und die Gesellschaft verändern zu können und zu müssen. Dass im Unterricht abgelöst von unserer Lebenswelt geübt wird, ist für Erwachsene nicht schlimm. Heranwachsende erfahren dies jedoch als dramatische Beschränkung, die in ihnen ein Empfinden der Sinnlosigkeit entstehen lässt. Dies ist wohl der Grund, auf den ein großer Teil des weit verbreiteten Lernunwillens zurückgeht.

Die SCHULzeit konkurriert somit auf weitgehend verlorenem Posten mit der FREIzeit. Denn wenn die jungen Leute beispielsweise selbst erstellte Videos bei Youtube veröffentlichen und diese mit anderen Jugendlichen diskutieren, erfahren Sie in dieser Zusammenarbeit Anerkennung. Sie eigenen sich selbstbestimmt Kompetenzen an und spüren, mit welcher Leichtfüßigkeit Lernvorgänge ablaufen können. Dasselbe lässt sich im Sportverein, im Orchester erleben, wo auch immer sie ihre Energie, ihr Engagement einfließen lassen. Währenddessen vertröstet die Schule diese Jugendlichen auf den Lohn der Plackere in einer nicht näher umrissenen Zukunft. Weitgehend vergebens ist dieser Appell, weil der Einsatz für abstrakte Ziele eine Fähigkeit darstellt, die sich dem wachsenden Gehirn noch nicht oder nur begrenzt erschließt.

Das „wiederholende Üben“ durch Hausaufgaben oder vor Prüfungen stellt somit für viele Schüler eine Zumutung dar. Hausaufgaben sollen so schnell wie irgend möglich erledigt und wieder vom Tisch sein. Es ist vor dem Hintergrund strategisch klug, die Unlust der Kinder erst einmal als gegeben anzuerkennen und dem resultierenden Bedürfnis der Schüler in die Hände zu arbeiten: Indem wir, die Eltern und Nachhilfelehrer, das Angebot machen, durch den Nachhilfeunterricht auf mittleren Sicht einen Zugewinn an Freizeit zu schaffen. Denn wenn sie sich auf den Unterrichtsprozess einlassen, lernen sie effektive Arbeitsweisen und Lernmethoden. Mit der Zeit machen die jungen Leute dann zusätzlich die Erfahrung, dass die Beschäftigung mit der trockenen Materie Freude anstelle der Unlust setzt.

Denn praktisch jede Tätigkeit, die erfolgreich und mit einiger Leichtigkeit ausgeübt werden kann, belohnt uns mit Freude am Tun. Wer diese Erfahrung gemacht hat, wendet sich auch schwierigen Themen zu, ohne sich von der Größe der Aufgaben entmutigen zu lassen.

Der Lohn der Mühe

Als krönender Höhepunkt der Akzeptanz macht sich sehr bald beim Schüler anstelle der gewohnten Anstrengung eine zunehmende Leichtigkeit breit. Er erlebt in sich immer öfter die Freude der intellektuellen Betätigung. Mit Blick auf die menschliche Neurobiologie ließe sich dies auch so formulieren. Der Schüler hat gelernt, seine Anstrengung in die Wohltat der Belohnung durch körpereigene Drogen münden zu lassen.

 

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